Bitte nehmt uns, wir haben nichts!
Bitte nehmt uns, wir haben nichts! Wenn Musiker nicht gut genug vorbereitet sind
1. Dezember 2017 • geschrieben von:

Wir sind schon seit Jahren im Geschäft tätig und haben für unser Label hunderte Anfragen von Bands erhalten, bei denen sich oft dasselbe Bild darstellt. Auch andere Labels berichten von der Problematik. Bands, die schlicht und einfach völlig unvorbereitet sind.

Vor Jahrzehnten war es noch der große Knaller, wenn ein Label sich die Mühe machte, in die Musik eines Künstlers reinzuhören. Heute ist der Stellenwert eines Labels dramatisch gesunken, weil auch hier die Masse an Angeboten und die Weiten des Internets alles vereinfachen.

Abgesehen von den Major-Labels, halten sich immer noch gestandene Independent-Labels mit taffer Zielsetzung über Wasser. Doch die Probleme bleiben, die Finanzen werden schwächer und die Masse an Anfragen verdoppelt sich. In den meisten Fällen handelt es sich um naive Anfragen, bei denen sich Bands finanzielle Unterstützung erhoffen z.B die Produktion eines Albums, Booking oder andere Arbeiten, die für starke Aufmerksamkeit sorgen.

Grundsätzlich verständlich, aber nicht so! Fast 90% aller Bands sind völlig unvorbereitet, schlecht aufgestellt und unorganisiert. Drei Punkte, die gut gestandene Labels überhaupt nicht mögen. Was soll man mit solchen Musikern anfangen, die sich z.B intern keineswegs im Klaren sind, was sie eigentlich als Ziel verfolgen oder wer welche Aufgabe übernimmt. Einfach nur Musik spielen ist keine Grundstruktur einer erfolgreichen Band.

Wer glaubt, er könnte von Anfang an mit Manager und dicken Zahlen rechnen, nur weil er einmal im Leben vor 50 Leuten gespielt hat und die Party „gigantisch fett“ war, der läuft in kürzester Zeit gegen eine Wand. Diszipliniertes Verhalten sollte an der Tagesordnung sein.

Die Band ist eine Firma

Wer eine gute Grundstruktur hat, festig automatisch sein Fundament. Eine Band sollte wie eine Firma gestaltet werden, denn im Grunde ist es nichts anderes.

Eine gute Firma arbeitet mit strikten Regeln, ordnet sich nach Statistiken und bespricht jedes Thema in geplanten Meetings. Dabei ist die Aufteilung der Personalien am wichtigsten. Jeder sollte eine oder mehrere Aufgaben übernehmen, die Verantwortung dafür tragen und seine Kollegen jederzeit auf dem Laufenden halten.

Die Aufgaben können bei einer Band je nach Können oder Interesse verteilt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass trotz demokratischer Abstimmung über gewisse Punkte, eine Person die Verantwortung für das gesamte Projekt übernimmt, sozusagen der Chef. Gerade unter Musikern kommt es oft vor, dass kleine Unstimmigkeiten katastrophale Folgen haben können. Sicher ist dem ein oder anderen bei eigenen Projekten schon aufgefallen, wenn eine Person nicht richtig mitmacht, hat das Projekt oft keine Chance.

Hat man diese Grundstruktur geschaffen, kann man zu einem späteren Zeitpunkt darüber nachdenken, ob man eine gemeinsame GbR aufmacht. Dadurch entstehen weitere Vorteile z.B wenn die ersten Einnahmen generiert werden. Du diesem Thema wird noch ein Artikel folgen.

Musikalisch abheben

Musikgeschmack ist ja bekanntlich relativ und in unserer heutigen Zeit erreicht man so viele Konsumenten, dass dabei immer mal ein paar Euro hängen bleiben. Dennoch sollte man sich schon von vornerein im Klaren sein, welche Musik man machen will und mit welchem Konzept man die Musik verkauft. Dabei geht es in erster Linie nicht um die Werbung, sondern die Darstellung sowie das Erscheinungsbild der Band.

Künstler werden immer wieder an ihrem Erscheinungsbild wahrgenommen. Gewisse Merkmale, Stimme, Art der Auftritte oder nur ein genialer Name können zur perfekten Darstellung beitragen. Gerade unter Newcomern oder noch nicht so bekannten Bands ist die Gleichheit an Musik und Erscheinungsbild kaum zu unterscheiden.

Vor allem Rock und Metal sind völlig überfüllt. Obwohl genau diese Genre genügend Kreativität zulassen, geht bei den meisten Bands die Puste aus. Die Besonderheit macht es also aus, deshalb sollte man sich als Band etwas ausdenken.

Studio muss nicht teuer sein

Oft scheitern Projekte an den Aufnahmen oder dem Mastering. Davon darf man sich allerdings nicht unterkriegen lassen, denn wie jede Firma, muss auch eine Band erst einmal investieren, um später Gewinn machen zu können.

Das Angebot ist auch hier gewachsen und mittlerweile bieten immer mehr kleinere Studios für einen bezahlbaren Preis Aufnahmen an, die völlig ausreichen. Oft bieten Studios Tonaufnahmen an, die eine so hohe Qualität haben, dass sie teilweise gar nicht genutzt werden können und wieder in niedrige Qualität komprimiert werden müssen.

Um sich nicht verrückt zu machen, grenzt man die Suche ein, am besten beginnend in der eigenen Region. Die sozialen Netzwerke sind hier eine große Hilfe, vor allem Facebook-Gruppen.

Die kleinen Details

Zu einer guten Vorbereitung gehören noch weit mehr Details, die in den meisten Fällen bei Musikern ständig fehlen. Vorweg, anständige Fotos, die für die Presse jeglicher Art unheimlich wichtig sind und bei über 70% aller Bands komplett fehlen oder schlechte Qualität haben. In einer fotomodernen Welt, bei dem sogar die neusten Smartphones traumhafte Fotos machen können, sollte das kein Problem darstellen.

Genauso eine ausführliche Biografie, in der eine Band vorgestellt wird. Am besten mit einer zusätzlichen Kurzfassung, die immer beigefügt wird.

Die Präsenz auf sozialen Plattformen ist heutzutage nicht wegzudenken, was von den meisten Bands auch beachtet wird. Facebook spielt dabei die wichtigste Rolle! Ob man bei den anderen sozialen Plattformen sein möchte, kann jeder selbst entscheiden, empfohlen wird es trotzdem, da jeder Follow Geld wert sein kann. Eine gewisse Pflege gehört nun mal dazu. Die Tatsache, dass viele Clubs oder Labels auf die Anzahl der Follow achten, anstatt auf die Qualität eines Künstlers, sollte den Aktionismus auf der jeweiligen Seite weiter anstreben. Zwar finden wir, dass wenig oder viele Follow völlig egal sind, aber der Markt bewegt sich in diese Richtung.

Die Veröffentlichung

Jetzt bloß nichts überstürzen, denn hier machen die meisten Bands den ersten großen Fehler. Kaum sind die Songs aus dem Mastering, sollen sie sofort für alle verfügbar gemacht werden. Genau das tut man nicht, solange die Vorbereitungen nicht zu 100% abgeschlossen sind.

Ein Release-Datum sollte sorgfältig und gut überlegt sein, so lohnt sich der Aufwand deutlich mehr und es war nicht alles für die Katz.

Ein Release-Datum sollte mindestens vier Wochen oder länger andauern, damit eine erfolgreiche Promotion durchgeführt werden kann. Eigene Statistiken haben mehrfach bewiesen, dass bei guter Vorbereitung bis zu 30% mehr Umsatz drin sind. Und was ist mit einer Hardware? Soll eine CD oder Vinyl-Platte produziert werden? In den meisten Fällen lohnt es sich nur bedingt. CDs lassen sich noch auf Veranstaltungen gut verkaufen. Eine sehr kleine Charge reicht also.

Die Veröffentlichung sollte mit einem Event verbunden werden. Hier bietet sich ein Gig besonders gut an, sofern man an einen herankommt. Auch die Planung eines Musikvideos ist nicht ganz uninteressant. Hier sollte man vorab entscheiden, welcher Titel eines Albums als erste Single besonders hervorgehoben werden soll. Die Ausgliederung von 2-4 Singles im Jahr erhöhen zusätzlich die Reichweite und stärken den Umsatz, wenn auch erstmal nur minimal.

Dafür lohnt sich z.B unser Flatrate Angebot, bei dem ihr nur 15,99 Euro im Jahr zahlt und so viele Releases durchführen könnt, wie ihr wollt.

Wir beraten euch gerne und planen jeden Release gezielt durch.

Ein Musikvideo sollte sich ebenfalls von der Masse abheben. Einfache und einfallslose Videos punkten in den meisten Fällen nicht. Lyric-Videos zeigen vornerein, dass eine Band eher schwach aufgestellt ist. Hier spielt wieder das Erscheinungsbild eine große Rolle, welches im Video dargestellt werden sollte. Das muss nicht teuer oder aufwendig sein.

Die Nadel im Heuhaufen

Booking ist das schwerste Pflaster der Musikbranche und fordert viel Geduld, Kontakte und organisatorisches Talent. Kontakte gibt es wie Sand am Meer, so kann man für jeden Club die Kontaktdaten kostenfrei aus dem Netz entnehmen.

Um den Überblick zu behalten, lohnt sich der Griff zu Excel oder Open Office. Mit den Programmen kann man einfache Tabellen anlegen, in den die Daten nach Bundesland, Stadt oder Genre sortiert werden. Kleine Extraspalten können dafür sorgen, dass man in der Datei markiert, welchen Club man bereits angeschrieben hat, bei welchem man schon gespielt hat oder welcher kein Interesse hat.

Am besten beginnt man in der eigenen Region, fragt sich durch das eigene Dorf bis hin zur nächsten Stadt, bevor man das eigene Bundesland oder darüber hinaus loslegt.

GEMA, GVL und Labelcode

Dass die GEMA umstritten ist, ist kein Geheimnis. Dennoch ist sie ab einer bestimmten Auftritts-Größe oder steigenden Verkäufen eine weitere Geldmaschine. Sie komplett auszulassen wäre auf Dauer nicht der schlauste Weg, bleibt aber jedem selbst überlassen.

Einen Labelcode erhält man, wenn man bei einem Label unter Vertrag genommen wird. Da war doch was? Ach ja – wenn man sehr gut vorbereitet ist, ergibt sich das Problem vielleicht von alleine. Denn Bands, die durch ihre strukturierte Arbeit für Aufmerksamkeit sorgen, landen am Ende auch bei den richtigen Partnern.

Was viele nicht wissen, man kann auch als Band ein Label gründen, dafür sind keine bestimmten Vorgaben nötig. Über die GVL kann jeder einen Labelcode beantragen.

Fazit: Zu dem Thema könnte man noch Kilometer lange Texte schreiben, aber irgendwann geht jedes Buch mal zu Ende. Die wichtigsten Punkte wurden in dem Artikel aufgefasst und vor allem die Kleinigkeiten wie Fotos, Biografie und unnötige Eile sollten sich Bands dick hinter die Ohren schreiben. Uns geht es nicht darum, Musiker schlecht zu machen, denn es gibt viele, die aus ihren Fehlern lernen und die Tipps annehmen. Vielleicht sind auch unsere Tipps hilfreich.